Irlandtagebuch – oder Abstecher in Irlands Westen, eine kleine Reise zum Nachfahren.

Fast zehn Jahre lang war mein Zuhause eine Farm an Irlands Ostküste. Obwohl ich seit über drei Jahrzehnten von dort fort bin, zieht es mich immer wieder auf die Insel, zu den freundlichen, zugänglichen Überlebenskünstlern, zu Freunden, zur Landschaft, zum Klima dort, wo ich schon die Luft in Gesicht und Lungen als typisch irisch erkenne, sobald ich in Rosslare die Fähre verlasse und wo der irische Akzent Musik in meinen Ohren ist. Und jedesmal, wenn ich nach einem Besuch wieder an der Reeling der Fähre stehe, die ihren Weg aus dem Hafen heraustutet, kommen mir die Tränen.

 Dieses Jahr – 2012 – will ich wieder hin, für eine Woche, ich will in den Südwesten, wo ich 1968 nur einmal kurz war.

 Mount Brandon, mit 951 Metern der höchste Berg auf der Dingle Halbinsel und der achthöchste in Irland, sticht mir in der Nase. Von oben soll man einen atemberaubenden Blick über die  Halbinsel und das Hinterland und auf die Bucht und den Atlantik haben ……………wenn das Wetter mitspielt. Das ist die grosse Unbekannte in Irland. Es kann von einem Moment zum anderen umschlagen, von Sonne zu Schauern, die dann auch ebenso schnell weiterziehen. Aber wenn der Nebel tief hängt und die Bergpfade regengetränkt und glitschig sind, könnte es gefährlich werden, man muss schliesslich auch wieder runter. In Irland muss man immer mit allem rechnen, auch damit, dass ich überhaupt erst garnicht auf den Berg komme in dieser einen Woche. Mein einheimischer Kletterkumpelfreund Patrick sagt : “ Am Wetter können wir nichts ändern hier im Kingdom of Kerry, das nehmen wir, wie es kommt. We go with the flow, from day to day, ich fahre Dich überall anderswo hin und zeige Dir alles Andere, auch im Regen. “

 Aber erst muss ich ja hinkommen. Von Pembroke aus.

Samstag nachmittag, 28. Juli 2012, in der Lounge auf der “Innishfree” radeln sie über den Bildschirm, die Olympiade hätte ich beinahe vergessen.

In Rosslare regnet es, als ich gegen sieben Uhr vom Schiff rolle. Aber schon nach den ersten Dörfern bricht die Sonne durch die Wolken, steht schräg und scheint mir ins Gesicht, ich fahre ja gen Westen. Auf breiter, gerader Strasse mit wenig Verkehr. Gerast wird nicht. Darf man auch gar nicht. 100 km ist Maximum, ab und zu ein Schild, damit man das auch nicht vergisst. Man hat Zeit in Irland.

Überall sattes Grün in allen Schattierungen. Daniel O’Donnells Lied “ Forty Shades of Green “ kommt mir in den Sinn, Hecken, Weiden mit Vieh drauf gekleckst, Pferde, Irland ist ja auch die Pferdeinsel. Viele kleine Hüttchen und Stände längs der Strasse, auf beiden Seiten, wo übertags frische “preisgekrönte” Wexford Erdbeeren, Kirschen, Himbeeren, neue Kartoffeln, selbstgemachte Marmelade und Säfte angeboten werden. Jetzt sind sie geschlossen. Ich nehme mir vor, auf dem Rückweg nächste Woche zu halten. Ich weiss aus Erfahrung, die besten Erdbeeren gibt’s in County Wexford. 

Im Fahren bestaune ich den Himmel vor mir : Wolkengebilde, aufgetürmt, zusammenbebauscht, zerfetzt, aufgeplustert, dann wieder faserig, alles in demselben Blick überm Lenkrad, die sich ständig verändern, verschieben, eilend oder trödelnd. Dazwischen goldene Sonnenstrahlen, die hier und da durchblitzen, auch mal ein Weilchen volle Abendsonne. Dann wieder eine drohend graue Wolkenwand, die einen kurzen Schauer ausschüttet.

Vereinzelt sind bunt gestrichene Häuser an die Strasse gestreut, zu denen wohl die paar Jogger und Spaziergänger mit Hunden gehören. Über die niedrigen Mäuerchen und akkurat geschnittenen Hecken nicken üppige, tellergrosse Hortensiendolden in tiefblau, rosa, weiss oder dunkel lila in allen Schattierungen.

Ich habe jetzt mit der Strasse gegen Süden abgedreht, lasse Wexford und New Ross, wo das Hungerschiff “ Dunbrody “ im Hafen liegt, hinter mir. Ich kenne Wexford und New Ross, wer mehr Zeit hat, sollte dort auch verweilen, die Führung und Besichtigung des Schiffes, auf dem so viele Iren unter erbärmlichsten Bedingungen nach Amerika ausgewandert sind, ist eindrucksvoll.

Aber ich will an diesem ersten Abend bis Dungarvan, wo mein Hotelbett im gemütlichen, traditionellen Lawlor’s Hotel auf mich wartet.

Ich stelle fest, dass seit meinem letzten Besuch in Irland die Strasse um Waterford herum fertig ist, sie kostet “ toll “ , aber es saust sich herrlich gerade und zügig.

Das Marktstädchen Dungarvan ist bekannt für seinen hübschen, in die Bucht eingebetteten  Yachthafen mit dem Davitt’s Quay aus dem achtzehnten Jahrhundert and für den herrlich weissen “ Clonea Sandstrand “ in der Nähe. Die restaurierte Burg ist vor allem auch für Kinder ein Erlebnis zu besichtigen, die frühmittelalterliche Abbey wurde leider, wie so vieles in Irland, von Cromwells Truppen zerstört, ist aber um’s Mittelschiff und einen Turm herum, die überlebt hatten, wieder aufgebaut. Wer sich länger in Dungarvan oder Umgebung aufhält, kann die Geschichte im Waterford County Museum verfolgen.

Mit untergehender Sonne fahre ich kurz vor neun Uhr in Dungarvan ein. Ich liebe dieses lebenslustige, quirlige Städtchen, vor allem im Sommer und reisse erst mal das Fenster im Zimmer auf und lasse das Leben und Treiben mit der Meeresluft hereinströmen und geniesse den Blick auf die Bucht und den Hafen, die belebte Hauptstrasse unter dem Fenster und das Stimmengewirr eines warmen Sommerabends, das von den vielen Kneipen und Restaurants herüberschallt.

Heute ist besonders viel los, es ist eines der Wochenenden der All Ireland Hurling Championships 2012, es spielt Waterford gegen Cork,  aus Fenstern und an Fassaden hängen die blau – weiss – schachbrettgemusterten Fahnen in den Farben des County Waterford Teams. Auch vor Lawlor’s Hotel hängen sie, zusammen mit Bündeln von blau – weissen Luftballons. Ein blauer befreit sich und schwebt in den  Abendhimmel, am Fenster vorbei, ich verfolge ihn mit den Augen, wie er höher und höher steigt.

Hurling ist ein sehr schnelles, alt – gälisches Mannschaftsspiel, es wird seit mehr als 9000 Jahren auf der Insel gespielt und hat sich über die Welt verbreitet, überall dahin, wo Iren sich angesiedelt haben.

 Sonntag

Am Morgen um sieben Uhr scheint mir die Sonne durch die offenen  Vorhänge ins Gesicht. Das Hafenbecken ist fast leer, Ebbe, golden glitzert und funkelt das Wasser unter der sanften Bewegung des Windes, die meisten Boote liegen fest, der Himmel ist nicht blau, sondern milchfarben,  die Sonne scheint ihn von innen zu erhellen.

 Ab heute geht’s für mich in Neuland, in den Westen, die nächste Etappe kenne ich noch nicht. Ich bin gespannt.

Mein Plan war, über Lismore, Fermoy und Mallow landeinwärts auf der N 72 nach Westen vorzustossen. Ich mache den ersten Fehler und finde die Abfahrt der etwas nördlich von Dungarvan nach Westen laufenden Strasse nicht und merke zu spät, dass ich jetzt auf der Küstenstrasse nach Cork bin. Das bereue ich aber nur ganz kurz, denn der Blick nach links auf’s Meer ist einmalig und ändert sich ständig. Ich fahre langsam, damit ich ihn geniessen kann.

In den Dörfern hängen immer noch die blau – weissen Fahnen und Wimpel, irgendwann werden sie zu rot – grünen Schachbrettern – ich bin in County Cork.

Wenn das Land längs der Strasse nicht steil zum Meer abfällt, sondern sich sanfter hinzieht, scheint die Landschaft wattenmeerähnlich mit Gräben, Kanälen und Rinnsalen, die sich offensichtlich mit Ebbe und Flut leeren und füllen, mit feuchten Wiesen, dazwischen Vieh, niedrigem Gestrüpp, Ginster, Heckenrosen, auch mal ein niedriges Wäldchen aus Kiefern und Lärchen. Mehrmals geht’s über eine Brücke, die einen Fjord überquert, irgendwo ist ein höher gelegener Rastplatz, wo ich aussteige und die Aussicht geniesse und knipse.

Zwischen Dungarvan und Cork

Wer, wie ich, langsam fahren will in Irland, kann sich links an der Seite auf einer “ slowlane “  halten, jeder irische Autofahrer, der mich überholt, blinkt zweimal seine Rücklichter …..” thank you “ .

Hinter Youghal auf der N 25 weist ein Schild auf  “ Greenbarn “ hin, ein preisgekröntes Café und Bistro, Gartenzentrum und irisches Craftshop, ein Familienbetrieb, wo es sich lohnt, eine Pause einzulegen, um  sich an Leib und Seele zu stärken .

Die Hecken neben der Strasse hier im Süden werden bunter, dunkelrote Fuchsien, orangefarbene Montbretien, alles durchrankendes, gelbes Geissblatt, vereinzelt sind wilde Margaritenstauden hingetüpfelt.

Fuchsien und Montbretien 1

In der Nähe von Cork nimmt der Verkehr zu, hier geht es auch südlich weiter in Richtung Kinsale, dem entzückenden Hafenstädtchen, was sich von einem Fischerdorf zum  Gourmet – und – Craft – Zentrum entwickelt hat. Enge Gassen, bunt angestrichene Cottages, überall Blumen, Pubs, Restaurants, Cafes, Boutiquen, viele Künstler haben sich hier angesiedelt. Kinsale hat eine lang zurückreichende Geschichte, zwei Forts und eine Burg erzählen davon. Schon die Normannen fanden es hier unten toll, sie kamen, sahen und besiegten, blieben und brachten ihre Lebensart mit. Man könnte hier längere Zeit verweilen, soviel ist zu sehen und zu tun. Es wäre nicht Irland, wenn nicht auch für die Kleinen und Kleinsten gesorgt wäre, dazu gibt es noch einige herrlich saubere Sandstrände, geschützte Buchten und viele Golfplätze. Ich kenne Kinsale und muss ja auch weiter, habe nur eine Woche. Aber wer Zeit hat, sollte unbedingt einen Abstecher einplanen. Wer sich richtig einlesen will, kann das bei www.kinsale.ie tun.

 Ich halte mich westwärts auf der N 22 Richtung Killarney und Tralee.

Hinter Macroom, der Stadt, die niemals einen Narren hervorgebracht hat, –  “the town, that never reared a fool “ – wie es heisst, fühle ich mich plötzlich ins Alpenvorland versetzt. Hohe Berge, kahle Felswände, karg bewachsene Bergrücken, unterbrochen von Nadelwäldern mit Kiefern und Lärchen : Die Derrynasaggart Mountains, Ausläufer des Killarney National Parks.

 Tralee, meine Basis für die nächsten Tage im Westen. Mein erster Eindruck ist etwas ernüchternd : Grau, alltäglich, uncharmant. Sonntag Nachmittag, irgendwo wird’s belebter, auf einer langen, hohen, grauen Mauer hocken Kinder, die Strasse entlang sind dicht an dicht Wagen geparkt, kurz danach weiss ich, was hier los ist: Ich fahre am Stadium vorbei, genau gesagt, am Greyhoundstadion, ein Hunderennen ist im Gange, hier sind sie also alle.

Ausserhalb, an der Strasse nach Fenit, einem hübschen Yachthafen, liegt links meine rosa getünchte Unterkunft, Brook Manor Lodge, umgeben von einem blühenden Garten mit Riesenmontbretien und Heckenrosenbüschen. Sandra, klein, dunkelhaarig und hübsch, öffnet mir selbst die Türe, und ich weiss sofort, hier wird’s mir gut gehen. Das Haus ist stilvoll eingerichtet, es duftet nach den Lilien in der Vase im Eingang, vom Zimmer habe ich einen herrlichen Blick auf die Slieve Mish Mountains. Dahinter, in der Ferne, sollte irgendwo Mount Brandon sein.

 Später, beim Essen im gemütlich schummerigen Darcy’s Restaurant in Barrack Lane in der Stadtmitte, höre ich, dass es einige Erdrutsche gegeben hat auf dem Berg vom vielen Regen diesen Sommer, Patrick war da, hat mit Ortsansässigen gesprochen, ist eine Strecke hoch gewandert, wollte sehen, musste aber wieder umkehren wegen Nebel und Regen. “ We will go with the flow “ , sagt er wieder, “ es gibt genug Anderes zu tun und zu sehen “ .

Patrick sieht aus, als gehöre er als Skipper auf einen Fischkutter, Schnauzbart, kurze, graue Strubbelhaare, gebräuntes, zerfurchtes Gesicht. Er war aber in der irischen Armee.

Wir beenden den Tag mit einer kurzen Fahrt raus zu “ Banna Beach.”

In den Dünen steht die Statue des Humanisten und Freiheitskämpfers Sir Roger Casement, der 1914 an diesem Strand mit zwei Verschworenen in einem deutschen U Boot gelandet war, nachdem er einen Pakt mit Deutschland geschlossen hatte : Deutsche Waffen für die irische Freiheitsbewegung, die damit eine Rebellion gegen die sie unterdrückende britische Macht anzetteln wollten und so gleichzeitig auch die Aufmerksamkeit von England vom Krieg mit Deutschland abwenden sollten.

Der Plan wurde vereitelt, Casement wurde gefasst und von den Briten gehängt.

 Beim Gang über Tralees weissen, langgestreckten “Banna Beach” nordwärts bis zum “Black Rock”, der bei Ebbe freiliegt und erklettert werden kann, machen wir Pläne für morgen, für’s Regenwetter.

Vor uns läuft auf flinken Beinchen wie im Gleichschritt eine eifrige Schar weissbäuchiger Sanderlinge am Flutsaum entlang, die winzigen Vögelchen fliegen auf mit scharfen “ tiwick “ , als wir näher kommen.

 Wie erwartet, am Montag regnet es.  

Ich geniesse erst mal das vorzügliche Frühstück von Brook Manor Lodge und sehe dabei den Spatzen und Meisen zu, die sich unverdrossen im Regen an den Futterstellen tummeln und höre leise irisch – traditionelle Musik im Hintergrund.

In der Lodge sind die Gäste international, aus USA, aus Holland, aus England, viele aus Deutschland. Die meisten bleiben nur eine oder zwei Nächte, sind nach Cork oder Dublin geflogen, haben dort einen Wagen gemietet und fahren rund um die Insel oder fahren den Ring of Kerry entlang oder um die Dingle – oder die südlichere Beara – Halbinsel. Aber ich warte ja auf klares Wetter für den Berg.

Statt Bergwanderung heute also ein Rundgang durch die Stadt mit Schirm. Ich stelle fest, dass Tralee auf den zweiten Blick doch nicht so grau ist und erinnere mich an den Kommentar eines Deutschen, als ich 1969 grün und unerfahren in Irland ankam. “ Es gibt alles hier, was es in Deutschland auch gibt, man muss nur wissen wo und gut hingucken. “  

 Die breite Denny Street mit vielen Georgian Bauten und Hotels wirkt grossstädtisch elegant, die umliegenden schmalen Gassen und Plätze mit zum Teil grell bunt angemalten Fassaden sehen im krassen  Gegensatz dazu eher etwas zusammengewürfelt aus.

Vielen unscheinbaren Lädchen sollte man einen zweiten Blick gönnen und sich überraschen lassen, was hinter der Fassade steckt.

Wir schlendern am Greyhoundstadion vorbei und werfen einen Blick rein, die Laufbahn wird gerade wieder geharkt, es gibt riesige Tribünen,  Aufenthaltsräume, Cafeterias, dreimal in der Woche laufen hier die Hunde und werden hier Wetten abgeschlossen.

Wir schauen in vier katholische Kirchen, an denen wir vorbeikommen, alle gut gepflegt und geschmückt, im Eingang von St. John’s hängen Fotos der fünf Priester, die für die Pfarreien von Tralee verantwortlich sind, tatkräftig, fit und aufgeschlossen aussehende Männer. Irland ist immer noch ein katholisches Land.

Am oberen Ende von Denny Street in der Ashe Memorial Hall, ist das Museum untergebracht. Ein ganzer Raum ist dem Lokalhelden Tom Crean gewidmet, der sowohl Scott als auch Shackleton auf Expeditionen zur Antarktis begleitet hat.

Am anderen Ende von Denny Street steht das Denkmal mit dem “ Croppy Boy “ , auch “ Pike Man “ ( Spiesswerfer ) genannt. Ein Freiheitsaufruf. Auf einer der vier Seiten ist ein Gedicht von John Milton eingraviert.

 Vor dem Courthouse trohnt auf jeder Seite eine riesige Steinkanone als Denkmal zur Erinnerung an irische Soldaten, die auf der Krim und in Indien gefallen sind, in Kriegen, die nichts mit ihrem eigenen Land zu tun hatten. Auf jedem der verwitternden Steinwappen sind Harfe und Kleeblatt – “ Shamrock “ zu sehen, die irischen Wahrzeichen. Patrick erzählt mir, dass er mit den Peacekeepers, den Blauhelmen, eingesetzt war, in Kosovo, im Libanon, in Ost Timor.

Ich muss an den Ohrwurm von Christy Moore denken, “ Viva la Quinta Brigada “ – überall waren sie dabei, auch, wie in diesem Lied, im spanischen Bürgerkrieg.

Auch auf anderem Gebiet haben Iren ihre Spuren hinterlassen: Beim Stöbern nach Ansichtskarten fällt mir eine in die Hände, Köpfe von irischen Schriftstellern sind abgebildet, allein vier von ihnen sind Nobelpreisträger für Literatur – George Bernhard Shaw, W. B . Yeats, Samuel Beckett, Seamus Heaney – dazu sehe ich hier noch Portraits von Thomas Moore, J. M. Synge, James Joyce, Janathan Swift, Oscar Wilde, Patrick Kavanagh, Sean O’Casey, Brendan Behan, Bram ( Abraham ) Stoker auf der Karte.

Irische Literaten

Als wir tüchtig durchnässt sind, stärken wir uns mit Kaffee und Sandwiches oben in der Lounge des vornehm traditionellen Imperial Hotels auf Denny Street, und einige Stunden später probieren wir auch noch das Abendessen im zwei Häuser weiter liegenden Grand Hotel, was ebenso grandios imposant erscheint. Hier gefällt es mir besonders gut, es war früher die Hauptpost, gediegenes Ambiente, viel dunkle, alte Holzvertäfelung, viel Leder, Kamine, eine überlange Bar, emsiges Treiben und Stimmengewirr, irische Akzente, Riesenteller mit grosszügigen Portionen, gerade richtig fuer müde gelaufene Touristen. Irische Gemütlichkeit umgibt mich.

Und da wir danach wieder fit sind, klappern wir die Pubs ab, in denen es noch spät traditionelle, irische Musik gibt…..Billy Mac, Harty’s, Sean Og’s, wo es besonders cool ist, eine Kneipe wie ein langer Schlauch, brechend voll, kuriose Antiquitäten und Bilder für’s Auge, während das Ohr sich an Gesang aus rauhen Kehlen erfreut, der von zwei Musikanten mit Akkordeon und Gitarre begleitet wird. Man sitzt dicht gedrängt auf niedrigen Bänken oder Hockern, im Hintergrund ein massiver Kamin, und kommt schnell ins Gespräch, was sich natürlich zuerst mal ums Wetter in diesem Sommer dreht.

 Am Dienstag höre ich schon beim Aufwachen den leisen Regen durch das offene Fenster und sehe die Nebelschwaden tief über den Slieve Mish Mountains haengen. Es wird also heute auch nichts mit Mount Brandon. Da es natürlich erst recht kein Strandwetter ist, beschliessen wir, Richtung Killarney und Killarney National Park zu fahren. 

Patrick nimmt an jeder Kirche oder Heiligenstatue, an der wir vorbeifahren, kurz die Hand vom Steuer und bekreuzigt sich. Es gibt viele Kirchen und Denkmäler am Weg… Hinter seiner Sonnenblende über der Windschutzscheibe klemmt ein Bild des Heiligen Christopher, Schutzpatron der Reisenden, das hat er regendurchnässt irgendwo auf der Strasse gefunden und getrocknet,  jetzt steckt es in einer Plastikhüelle.

Wir machen erst einen kleinen Schlenker, um die einzige arbeitende Windmühle in Irland und England anzusehen. Sie steht in dem kleinen Örtchen Blennerville, wo die Ausläufer der Stadt Tralee auf die Dingle Bucht stossen. In Zeiten der grossen Hungersnot ( 1845 – 1848 ) war Blennerville der Hafen für die Auswandererschiffe von County Kerry nach Amerika. Heute ist er versandet und verschlickt und daher ein Vogelparadies. Vor der Mühle auf einem Ausguck gibt es Fernrohre und Tafeln mit Abbildern der Seevögel, Spass für Kinder, wie auch die Windmühle selbst, die liebevoll mit Hilfe vieler einheimischer Freiwilliger wieder instand gesetzt worden ist. Vier Stockwerke hoch ist sie, wir klettern über enge Holzleitern hoch, von ganz oben hat man einen herrlichen Blick. Auf der Platform von jedem Stockwerk ist ein Stadium des Mahlprozesses dargestellt, und für Kinder gibt es einen richtigen Mühlstein mit Griff zum Korn mahlen. 

                                    Blennerville Windmill

Da wir noch weiter in den National Park wollen, machen wir nur einen kurzen Rundgang durch Killarney, der saubersten Stadt Irlands, wo es von Touristen wimmelt.

 Auf dem Weg in den National Park halten wir am Torc Waterfall und klettern ein Stück weit hoch, um die Aussicht über das Tal und die Seen zu geniessen. Man fühlt sich in eine “ Herr der Ringe “ Landschaft versetzt, knorrige, hohe Bäume, vermooste, umgestürtzte Stämme, feuchter Boden, das Rauschen und Spritzen des achtzehn Meter hohen Wasserfalls, herumliegende Felsbrocken. Wir überlegen kurz, ob wir wegen des Regens den Plan ändern sollen, um Knockreer House oder Muckross House mit dem berühmten Garten oder das wieder aufgebaute Ross Castle zu besichtigen, alles in der Nähe gelegen, fahren aber dann doch weiter. Am liebsten würde ich alles anschauen, leider habe ich nur eine Woche, ich merke schon – viel zu kurz. Später höre ich von Deutschen aus meiner Lodge, die genau das gemacht haben mit diesem Regentag und begeistert davon erzählen.

Man kommt leicht mit den anderen Gästen ins Gespräch, vor allem beim Frühstück, und ich höre von Amerikanern und Europäern immer wieder, wie gerne sie in Irland Ferien machen, obwohl das Wetter so unberechenbar ist, das nehmen sie in Kauf. Irland ist einfach gut für’s Gemüt, und es gibt so viel zu entdecken. 

Auf kurviger, enger Strasse fahren wir hoch in den National Park, rechts die Killarney Seen, links steile Hänge, unter einem in den Felsen gehauenen Tunnel durch, Tourenbusse kommen uns entgegen, irgendwo steht ein Schild, das daran erinnert, dass in Irland 100 km Geschwindigkeit nicht überschritten werden darf. Wir glauben, wir sehen nicht richtig. Nur ein Lebensmüder würde es wagen, hier zu rasen.

An einer Weggabelung  steht eine verrammelte Kapelle. Wir versuchen, einen Blich hinein zu werfen, die Fenster sind aber gründlich zugenagelt. Nur die Schwalben finden ihren Weg hinein in das Kirchlein, sie fliegen ein und aus unterm Dach. Drinnen lässt es sich sicher gemütlich ungestört nisten. Wer wohl hier hochkam zum Beten ?

Chapel up the mountain to Ladies' view Killarney

Beim “Ladies’ View” Parkplatz auf der N 71 Strasse nach Kenmare steigen wir aus. Der Name beruht auf einer kleinen Geschichte : Königin Victoria soll hier oben mit ihrem Gefolge gestanden haben und eine ihrer Ladies hat ausgerufen : “ Dies ist der schönste Blick auf der Welt “ . Wir können das heute nicht bestätigen, Nebel und Regen lassen nur unklare Umrisse im Tal erkennen. Wir könnten hier eine Kaffeepause machen, hier oben ist ein Lokal beim Aussichtsplatz. Ich will aber weiter, zu Moll’s Gap, wo ich einen AVOCA Laden mit Café zum Stöbern und Ausruhen weiss. Er steht an der Stelle, wo früher Moll Kissane eine “Shebeene” betrieb, ein Haus von zweifelhaftem Ruf. Bei klarem Wetter hat man von dort ganz oben den Kenmare Fluss und die Killarney Seen vor sich und die höchsten Berge Irlands, den Carrauntoohill auf der einen Seite, das “ Gap of Dunloe “ auf der anderen.  Ich kenne die AVOCA Kette seit ihren Anfängen im Dorf Avoca in County Wicklow, inzwischen gibt es Niederlassungen überall in Irland. Für mich ist es jedesmal ein absoluter Hochgenuss, in Ruhe bei Avoca zu stöbern . Hier findet sich alles, was Irland beliebt, berühmt und gemütlich macht, wenn man genug geguckt und gekauft hat, kann man sich im Avoca Café an den leckersten Kuchen, frischesten Salaten oder an wärmenden, aromatischen Suppen laben. Wer ein Stückchen Irland mit nach Hause nehmen will, der kann es von AVOCA holen. www.Avoca.ie/killarney/ Moll’s Gap.

Wir könnten jetzt im Bogen durch das Dunloe Gap und bei Kate Kearney’s Cottage vorbei zurück fahren, entscheiden uns aber dagegen, es ist spät und nebelig, es gibt ja heute sowieso keine Aussicht.

KillarneyLakes Killarney lake 1

Killarney lake 2

Bei Regen und Wind treffen wir am frühen Abend wieder in Tralee ein und gönnen uns ein Abendessen im italienischen Restaurant “ Bella Pia. “

Mittwoch

Am nächsten Morgen hat es sich richtig eingeregnet. Die mannshohen Pampasgräser unter meinem Fenster lassen traurig ihre regenschweren, goldgelben Wedel hängen. Wieder kein Tag für Mount Brandon. Zu gefährlich, nicht nur für uns, sondern auch für die Bergwacht, die uns runterschaffen muss, wenn etwas passiert. Aber Patrick ist unverzagt und schlägt vor, nordwärts zu fahren.

Listowel – ein ordentliches Städtchen, auch als Literaturstadt des Westens bekannt. Viele Schriftsteller waren dort ansässig oder haben in der Umgebung gewirkt. Jedes Jahr im Mai ist in Listowel “ Writers’ Week”, ein Literaturfestival, was  Literaten aus aller Welt anzieht.

Schriftsteller John Keans Pub in Listowel

John B. Keane, der die Charaktere und Geschichten für seine Theaterstücke und Bücher dem wahren Leben entnahm, besass eine Kneipe auf der Hauptstrasse und hat Esser und Trinker, die bei ihm einkehrten, mit Humor und spitzer Zunge verewigt. Nach einer seiner Geschichten ist das Theaterstück “ The Field “ entstanden, das auch mit Sean Bean in der Hauptrolle verfilmt wurde. Seit seinem Tod 2005 führt sein Sohn den Pub weiter. Abends gibt es Singsongs und Lesungen und Sketches nach Texten des Vaters.

Window of John Keane's Pub

Leider ist es zu früh, die Kneipe in dem knallrot angestrichenen Haus ist noch geschlossen, wir lugen nur durch das Fenster, es ist aber schummerig darinnen, wir sehen nicht viel, einige Tische und Sessel im Vordergrund im Halbdunkel.

Nicht weit vom Pub steht die Bronzestatue von John Keane, und im “ Garden of Europe “ entdecken wir sogar eine Büste von Schiller. Der Garten ist in zwölf Teile aufgeteilt, als er 1995 eröffnet wurde, gab es  zwölf Mitgliedstaaten in der EU.

Listowel ist jeden September voll mit Pferdefreunden, eine ganze Woche lang finden hier die längst zur Tradition gewordenen Listowel Rennen statt.

Auch in diesem Örtchen gibt es mehr zu erkunden, als wir uns Zeit nehmen, wir fahren weiter Richtung Ballybunion an der Küste, einem Badeort mit weissem Strand, eingebettet in eine Bucht, von beiden Seiten von hohen Felsen umrahmt, oben auf der einen die verfallene Ruine der Burg, gegenüber die nördlichen Klippen bilden die Grenze zu County Clare und der Mündung des Shannon.  

 Ballybunion Strand mit Burg   

In weissgetünchten Häuschen am Strand sitzen die Badewärter, in einem der Hüttchen kann man Seetang – und Algenbäder nehmen, die sollen sehr gesund sein. Ich wusste es nicht und habe mich schlau gemacht : “Seetang – und – Algenbäder dienen der körperlichen, seelischen und geistigen Entspannung, sind hautpflegend und durchblutungsfördernd.” 

Ballybunion Beach Hut

Statt Seetangbad machen wir einen strammen Marsch am Wasser entlang, Uferschwalben fliegen in ihren Höhlen in den Felsen ein und aus. Beim Gehen erzählt mir Patrick aus seinen eigenen Erinnerungen an diesen Strand – hier durften sie sich früher austoben, wenn sie vom Waisenhaus in Ballybunion aus einen Auflug mit den Nonnen machten.

Am Donnerstag fahren wir los, Richtung Dingle Halbinsel, ausgerüstet mit Rucksäcken, Wanderschuhen, Anorak, Tee und Kaffee in Thermos und der Hoffnung, dass es trocken bleibt. Schon nach kurzer Zeit landen die ersten Tropfen auf der Windschutzscheibe…

Also lassen wir uns einfach weitertreiben, und anstatt bei dem Ort “Camp” nach Westen abzubiegen in Richtung Cloghane, dem Ausgangspunkt für die Bergtour, bleiben wir auf der N 86.  In Annascaul kommen wir an der leuchtend blau gestrichenen Kneipe von Tom Crean, der “ South Pole Inn “ vorbei, Poster mit seinem Bild mit Pfeife gucken uns entlang der Stasse an, der Lokalheld ist auch nach so vielen Jahren nicht vergessen. Der Abenteurer stammte aus Annascaul und kam auch hierher zurück, machte eine Kneipe auf und unterhielt hier seine Gäste mit Geschichten von seinen Reisen. Insgesamt hat er mehr Zeit in der Antarktis verbracht, als Scott oder Shackleton, da er Expeditionen von beiden Forschern mitgemacht hat. Während ich dieses schreibe, bedaure ich, dass wir nicht angehalten haben und reingeschaut haben, drinnen sollen viele Mitbringsel und Erinnerungen an seine Expeditionen zu sehen sein.

 Auf einer Wiese steht ein einsamer Kiebitzregenpfeifer, ein früher Wintergast. Überhaupt ist die Dingle Halbinsel ein Vogelparadies. Auch die seltene Alpendohle ( Chough ) mit rotem Schnabel und roten Beinen und ihren akrobatischen Flugkunststücken ist vor allem auf der Halbinsel Inch und bei Slea Head am Westzipfel zu beobachten.

 In Dingle ist viel los, besonders an der Mole, der Anlegestelle für den Dampfer, der Touristen raus zu den Blasket Inseln und auch zu “Fungie” bringt.

Fungie ist ein ausgewachsener Grosser Tümmler, eine Delphinart, der 1983  vor der Küste aufgetaucht ist, in der Gegend geblieben ist und inzwischen eine Hauptattraktion, vor allem für Kinder, darstellt. Er weiss, dass er sich bei Touristenbooten zeigen und darstellen muss. Wenn er das mal nicht tut, bekommt man sein Geld zurück. So sicher sind die Skipper, dass sie sich auf Fungie verlassen koennen.

Die rote Fiona II aus Tralee

Uns fällt ein knallroter Fischkutter ins Auge, der wohl noch nicht lange  neben einem zweiten Boot angelegt hat. Die “ Fiona II Tralee “ . Wir nehmen einige  Fotos von der Hafenszene und von Fiona II und lassen uns dann mit der Menschenmenge vom Hafen weg in die Geschäftsstrasse mit den Andenkenläden, Boutiquen, Restaurants und Cafes treiben.

Im Hafen von Dingle 1

Auch Dingle ist eine Fundgrube für alles, was irische Tradition ist. In dieser Gegend sprechen die Einheimischen unter sich noch gälisch. Wir bleiben lange im “Strand House “ hängen, gucken uns satt an Arran Pullovern, Gemälden und Handwerkskunst und landen dann in der oberen Etage, wo auf langen Tischen und auf irischen Leinendecken wunderschönes Porzellan und Töpfereien ausgestellt sind. Ein paar Schritte weiter gibt’s noch mehr gedeckte Tische, die gehören dann schon zu dem dort auch untergebrachten Strand House Café, was ich wärmstens empfehlen kann. Ich bin sicher, es gibt jede Menge empfehlenswerte Cafes und Restaurants in Dingle, wir konnten sie leider nicht alle ausprobieren. Und leider konnte ich auch nicht die vielen leckeren Sachen vom schwarzen Brett im Strand House Café probieren, alles sah so gut aus, “ Home made “, frisch, appetitlich anzusehen, Suppen, ausgefallene Salate, Quiche, Lasagne, herrliche Torten und “ Crumbles “. Mein Lemon Chicken ( Zitronenhähnchen ) mit Walnüssen auf Salat und home made frisch gebackenem, braunem Brot war fabelhaft.

Ich würde gerne jetzt noch weiter fahren, bis Slea Head, durch die Ventry Bay und die kleine Stadt Ventry anschauen….

Den Rückweg nehmen wir über den Connor Pass. Felsbrocken, offensichtlich in diesem nassen Sommer heruntergekommen, liegen am Strassenrand, erinnern daran, dass das Klettern hier nicht ganz ungefährlich ist. Oben, entlang der schmalen, gewundenen Passstrasse, gibt es zwei Parkplätze mit Tafeln, die den Ausblick von hier oben über das Tal und die Seen und die gegenüberliegenden Bergketten erklären. Eigentlich sollte man bei klarem Wetter unten die Seen aus der Eiszeit schimmern sehen und in der FerneMount Brandon Peak und Mount Brandon.  Heute sehen wir nur zwei Schafe, die sich durch den Draht gezwängt haben und sich ins Gras am Strassenrand ducken.  

Aussicht von Connor Pass auf Eiszeitseen

Connor Pass auf Dingle Halbinsel

Langsam öffnet sich die Landschaft wieder, Brandon Bay liegt vor uns. Nach links, westlich, geht es ab nach Cloghane, weiter nach Norden erstreckt sich eine Landzunge mit breiten Sandstränden, die Brandon Bay von Tralee Bay teilt.  Bei den Maharee Inseln am Nordzipfel dieser Landzunge soll man herrlich tauchen können. 

Die Strasse verläuft jetzt parallel zum Wanderweg “ Dingle Way “ am Strand entlang. Zwischen Cloghane und der Spitze der Halbsinsel bei dem Ort Kilshannig, wo viele  Denkmäler und Spuren frühchristlichen Einfluss bezeugen, erstreckt sich der längste Sandstrand Irlands mit wunderbar klarem Wasser.

Am Fuss dieser Landzunge, nicht weit von Castlegregory, liegt Lough Gill, ein Vogelparadies und eine der wenigen Brutstätten der seltenen Kreuzkröte.  An warmen Sommernächten hört man ihr Gequake meilenweit.

Ein schmaler Weg biegt ab runter zu Gowlane Strand, der sich endlos lang in die Bucht schmiegt. Alljährich finden hier und auf dem anschliessenden Strand von Castlegregory die Welt Windsurfing Championships statt. Wir halten kurz an und wandern runter zum Strand. Auch heute reiten einige hartgesottene, mutige Waghälse auf ihren Brettern über ehrfurchterregende Wellen. Ansonsten ist keine Seele zu sehen.

low clouds and fog over the mountains near to Dingle

Surfers' Beach - Gowlane Strand

Irgendwo hinter Stradbally steige ich aus und gehe ein Stück zu Fuss, um den Strassenrand zu fotografieren, das muss ich einfach festhalten, rechts und links ein Meer von rot und orange, wilde, dichte Stauden und Hecken von Montbretien und Fuchsien, soweit man sehen kann.

Am Strassenrand

Im Auto kommen die Nachrichten auf Radio Kerry…..( 96 – 98 FM ) ……..vor Dingle ist heute morgen ein 140 kg schwerer Blauflossen – Thunfisch gefangen worden. Eine Seltenheit. Der Name des glücklichen Fischkutters ? Fiona K II Tralee ! Wir gucken uns an, wir hätten das Boot doch von der Bugseite mit Namen fotografieren müssen, statt dessen haben wir es vom Heck geknipst, damit wir den Hafen und das Hinterland ins Bild kriegten.  Am nächsten Tag steht die Geschichte  mit Bild in der Zeitung: 8 Skipper halten einen scharfzahnigen Fisch hoch, so gross wie ein junges Rind. Vor einiger Zeit hat so einer in Japan 700.000 Dollar gebracht. Hier ist der erstaunliche Fang noch am selben Tag in den Fischgeschäften von Dingle gelandet und sicher auch bald danach auf Dingles Tellern. 

Mannschaft der Fiona II mit Fang

Am Abend probieren wir das zweite italienische Restaurant in Tralee : Il Pomo Doro. Nein, nicht Thunfisch, mein ‘Pollo Al Marsala’ war vorzüglich, das Tiramisu danach ebenso.

 Freitag – mein vorletzter Tag in Tralee. Inzwischen habe ich mir für dieses Jahr den Brandon Berg aus dem Kopf geschlagen, statt dessen joggen wir, nachdem es aufhört zu regnen, Banna Beach entlang, um das viele Sitzen aus den Beinen zu schütteln. Zwei Kinderchen auf Ponies von Banna Beach Riding Club  kommen uns entgegen. Die Grosseltern laufen knipsend hinterher.

                         Banna Beach jogging August 2012

Wir wollen zu Ardfert Cathedral, wo der Heilige Brendan ( 484 – 577 ) , der Seefahrer, im 6. Jahrhundert ein Kloster gegründet hat. Man bringt ja immer Sankt Patrick mit Irland in Verbindung, eigentlich gebührt aber diese Ehre Sankt Brendan, er hat auch schon frueh missioniert und gelehrt und das Christentum in die Welt getragen. Vor allem ist er ein “einheimischer Heiliger”, geboren in Fenit, denn Sankt Patrick war ja der Legende nach Sohn eines römischen Feldherren, der in der Provinz Britannia stationiert war. Patrick soll im Jahre 405 von plündernden Iren nach Irland verschleppt und versklavt worden sein.  

Im 11. Jahrhundert wurde in Ardfert die erste Kirche errichtet, später kamen noch weitere Kirchen und Kapellen dazu. Wie fast alle Kirchen in Irland, so wurden auch diese um 1641 unter Heinrich VIII zerstört. Deshalb sieht man auf der Insel auch nur Ruinen und Reste von alten Gotteshäusern und kann nur ahnen, wie kunsvoll sie gebaut und prunkvoll ausgestattet waren. Heute ist die Ruine der Kathedrale und der Kapellen  zu besichtigen mit wunderschönen, romanischen Fenster – und Torbögen und frühen Steinmetzarbeiten, im selben Komplex ist ein Museum untergebracht, wo unter anderem auch ein Ogham Stein zu sehen ist. Ogham war eine vorchristliche Runenschrift mit querverlaufenden Linien, die in Irland üblich war.

The ruin of Ardfert Cathedral

Ardfert Cathedral

Nicht weit von Ardfert Cathedral wurde im Jahre 1253 Ardfert Friary gegründet, man könnte beinahe sagen, ein Konkurrenzunternehmen. Die Friars lebten ja nicht abgeschlossen hinter Klostermauern, sondern zogen  in die Dörfer und Städte und halfen den Armen und Kranken. Man erinnere sich an Friar Tuck aus dem Film Robin Hood. In Ardfert Friary lebten Franziskaner. Ungewöhnlich ist es, dass ein hoher Turm an die Kirche angebaut, ist, der als Wohnturm fuer die Mönche diente.

Diese Anlage liegt frei und offen in einem Feld, man kann alles ohne Eintrittsgeld in Ruhe anschauen, darf überall herumklettern, durch den Kreuzgang laufen, Tafeln mit Erklärungen helfen bei der Orientierung. Das haben wir auch gemacht, wir sind durch jede Öffnung im Gemäuer gestiegen und unter jedem Torbogen hergelaufen und haben uns vorgestellt, wie es sich hier früher gelebt hat. 

Ardfert Friary

Ardfert ist ein friedlicher, kleiner Ort mit vielen netten Pubs und Tearooms. Wer sich für (alte) Bücher intertessiert, kommt im “Gladore Gate” unter dem Turm auf seine Kosten, dort gibt es Tee und Kaffee und jede Menge zum Stöbern.

Während der Rückfahrt kommen Warnungen im Radio, keine unvorsichtigen Bergtouren bei schlechtem Wetter zu riskieren. Allein in dieser Woche hätten drei Menschen den Einsatz von Rettungsmannschaften  verursacht, Helikopter und Tragen wurden gebraucht, um sie aus den Bergen zu holen, davon ein Tourist, der bei einer Mount Brandon Besteigung ausgerutscht war und sich ein Bein gebrochen hatte. Fünfzehn Männer der Bergwacht mussten  sich abwechseln, um ihn vom Berg herunter zu bringen.

An diesem Abend essen wir wieder im Grand Hotel, ich möchte nochmal die gediegene Atmosphäre und die irische Gemütlichkeit, das fröhliche Stimmengewirr und das gute Essen geniessen, diesmal gibt es sogar live irische Musik dazu. 

 Samstag, mein letzter Tag in Kerry. Patrick will mir noch den Hafen von Fenit zeigen, diesem kleinen Fischerort an der Küste nördlich von Tralee, Geburtsort des Heiligen Brendan.

Längs der Strasse zwischen den Örtchen Spa und Fenit sind einige Fischrestaurants nicht zu übersehen, die “Oystertavern” hat ihren Namen in Grossbuchstaben auf’s Dach gepinselt, der “ Tankard “ Pub ist kanariengelb angestrichen.

 Fenit Harbour 5 - 8 - 2012   1

Wir parken im Hafen von Fenit, das Gebäude des Seerettungsdienstes im Rücken, die Mole mit den Segelbooten vor uns, und steigen den Berg zu Sankt Brendan hoch, dem Schutzpatron der Seeleute, Fischer und der Reisenden. Er wacht als überlebensgrosse Bronzestatue über den Hafen und weist auf’s Meer, in die Ferne, in die Welt, dahin, wo seine vielen Missionsfahrten ihn von hier aus geführt haben. Es wird gesagt, dass er bis nach Amerika gesegelt ist, fast 1000 Jahre, bevor Christopher Columbus dort gelandet ist. Der soll sich an den Reiseberichten von Sankt Brendan, einem Manuskript mit Namen “ Navigatio Sancti Brendani “ orientiert haben.

Entlang des Pfades, der zu ihm hochführt, stehen Tafeln, auf denen seine   Lebensgeschichte nachzulesen ist.

Sankt Brendan zeigt ueber das Meer

Oben angekommen blickt man zum Heiligen hoch und kommt sich klein vor, klein und unwichtig, unter diesem Riesen, riesig an Gestalt und riesig an Taten und Werken.

 Sankt Brendan ueber Fenit Hafen

Mein letzter Abend in Tralee. Wir wollen noch ein bisschen erkunden und Neues sehen und leisten uns ein Essen bei “ Finnegan’s “, einem urigen Kellerrestaurant, mit rohen Steinwänden und karierten Tischdecken und mit Kerzen, unten in den Gewölben eines Georgian Hauses am Ende von Denny Street in Tralee. Sehr stimmungsvoll und gemütlich, bei gutem Essen mit grosszügigen Portionen, wie in allen irischen Restaurants. Die nur spärlich tröpfelnden Wasserhähne auf der Damentoilette sind wahrscheinlich repariert, bevor jemand dieses liest. Aber ich sollte vielleicht nicht so kleinlich sein.

Oben in demselben Haus sind “ Mary’s Tearooms “, oft knubbelvoll an verregneten Nachmittagen.

Sonntag.

Am nächsten Morgen muss ich weiter. Es fällt mir schwer, Tralee und Kerry zu verlassen. Es wäre noch so viel zu sehen und zu tun, vor allem wartet der Berg noch auf mich.

Aber ich will noch einen Bogen durch’s Land schlagen mit Abstecher nach Tipperary. Ich halte mich nach Osten, fahre quer durch’s Land, über Killarney und Mallow nach Mitchelstown mit dem Ziel Cahir. Rechts und links der Strasse  Gebirgsketten, mal näher, mal in der Ferne, die Gegend um Mallow ist wie ein flaches Becken zwischen die langgestreckten Bergketten eingebettet, flach und fruchtbar – Getreideland. Das Korn steht noch.  Mitchelstown ist ein etwas alltägliches Strassendorf mit einem viereckigen Marktplatz am Hang,  umgeben von alten Häusern, das Beste an Mitchelstown ist der Bäcker – und – Delikatessenladen auf der Hauptstrasse, es ist auch gleichzeitig ein Coffeeshop. Ich kenne es von früher. Hier gibt’s herrliche Brotsorten, frisch gebacken, schöne Salate, leckeren Kuchen und Torten. Gut für eine Pause. Heute ist leider geschlossen, weil Sonntag ist. Also fahre ich weiter.

Von Mitchelstown drehe ich nach Nordosten ab, next stop Cahir. Links steigen die Galtee Mountains an, entstanden in der Eiszeit durch Erosionen und Gletscherablagerungen, im Norden einige Seen, Überbleibsel aus dieser Zeit, die Berge bewaldet, durchkreuzt von Wanderwegen, der höchste Berg ist der Galtymore Mountain mit 919 Metern. Von oben hat man einen Blick bis rüber zum Shannon.

Rechts der Strasse geht’s ab nach Burncourt und zu den Mitchelstown Caves, den Mitchelstown Höhlen, und nach Ballyporeen. Das unscheinbare, stille, kleine Dorf ist berühmt, weil der Urgrossvater von Ronald Reagan hierher stammt.

Für die Nacht bleibe ich in Cahir. Das Städtchen stand lange im Schatten der grossen Schwester Cashel, die Burg hier im Schatten des grossen Bruders Cashel Castle. Ist Cashel ein langezogenes Strassendorf, wie so viele Orte in Irland, so konzentriert sich das Leben in Cahir eher um den alten Market Square, den im Viereck gebauten Marktplatz im Zentrum. Und wo Cashel ein ehemaliger Königssitz der Herrscher von Munster ist, so wurde die Burg in Cahir als normannische Trutzburg am Fluss Suir gebaut.

Cahir Castle

Die Burg ist restauriert und weitläufig, für Kinder vor allem sicher ein Spass zu besichtigen und sich das Leben darin vorzustellen. Ich habe das schon vor Jahren gemacht, will mir diesmal deshalb am nächsten Tag Zeit nehmen für die “ Swiss Cottage”, eine Mischung aus strohgedecktem Bauernhaus im Schweizer Stil von aussen und einer eleganten, französischen Innenausstattung, erbaut um 1810 nach Entwürfen des damals beliebten Architekten John Nash, der auch viel in Bath, in England, gebaut hat. 

Als ich am Nachmittag im Cahir House Hotel ankomme, geht es hoch her : ein Hochzeitsfest ist in vollem Gange, laut, fröhlich, die Iren können halt feiern.

Netterweise habe ich ein Zimmer “ in the back “, wie man mir sagt, damit es nicht so laut ist, gross, viel dunkles Holz, bequeme Betten, Auswahl von einem Einzelbett und einem Doppelbett. Ich mache mir erst mal Tee und beschliesse dann, noch nach Cashel zu fahren, will nochmal den Rock of Cashel sehen. Ich liebe diese zackeneiche Silhouette auf dem Gipfel, und ich liebe das Städtchen mit den vielen kleinen Läden und Lokalen und den alten Fassaden.

Cashel

The Rock of Cashel

Oben im “ Bake House “ suche ich mir später einen Platz am Fenster und freue mich am Treiben auf der Hauptstrasse. Der “ Rock ” ist leider eingerüstet, es ist nicht viel davon zu sehen, es wird dran repariert. Auch da oben bin ich schon stundenlang herumgelaufen, habe eine Führung mitgemacht und habe St. Patrick’s Stab im Museum bewundert. Wer hoch will, sollte sich viel Zeit nehmen, die Ansammlung von Bauten aus verschiedenen Epochen spiegelt die schillernde Geschichte von Irland wieder.

 Montag

Ich schlafe himmlisch in meinem Riesenbett, bekomme von den fröhlichen Hochzeitern nichts mit. Am Morgen scheint endlich zum ersten Mal in dieser Woche richtig warm die Sonne aus blauem Himmel. Das Frühstück ist ein Gedicht : Eier, Schinken, Würstchen, Champignons, Tomaten – “ full Irish breakfast “ , dazu Danish Pastries, herrliches Brot und eine Platte mit frisch aufgeschnittenem Obst, Orangen, Erdbeeren, Melonen, Trauben, Kiwis.

Der Weg zur “Swiss Cottage” führt erst etwas bergauf, dann unter alten Bäumen am Fluss Suir entlang, Tafeln am Rande weisen auf Flora und Fauna hin. Aus Felswänden zu meiner Linken hängen Farne und blüht üppig lila Storchschnabel, es duftet würzig. Bei schnellem Schritt dauert es ungefähr zwanzig Minuten, bis rechts das Haus auf dem gegenüberliegenden Ufer auftaucht.

Swiss Cottage

Über eine alte Brücke und einige Stufen herauf, und schon ist man in einem weissgetünchten, engen Kellergang und wundert sich – das ist ja überhaupt nicht herrschaftlich. Soll es auch nicht sein, dies ist der Dienstboteneingang. Sie hielten sich im Keller auf, ausser Sicht, die Herrschaften fuhren mit ihren Kutschen auf der anderen Seite des Hauses vor.

Bei der Führung komme ich aus dem Staunen nicht heraus, weiss nicht, wo zuerst schauen, handgemalte Tapeten, einmalig bedruckte Stoffe, ungewöhnliche Musikinstrumente, die ich noch nie gesehen habe, im Musikzimmer, kein Fenster wie das andere, alle irgendwie schief, asymmetrisch, auch das soll so sein, in der Natur ist ja auch nichts genau gerade und gleich. Auch die Geschichten, die sich um die Cottage ranken, und bei der Führung erzählt werden, sind abenteuerlich. Es gibt Kopfhörer in mehreren Sprachen, sodass man anschliessend noch etwas herumgehen und hören kann.  

Swiss Cottage Music Room

Swiss Cottage Dufour Room

Die Idee der “ Cottage Orne “ stammt aus Frankreich, man wollte sich die Natur ins Haus holen, verwendete viel Naturmaterialien, denn das Haus wiederum sollte sich in die Landschaft einfügen. 

Die Cottage diente nur der Unterhaltung von Familie und Gästen, es gab kein Badezimmer, die beiden Schlafzimmer wurden nur zum Umkleiden und Ausruhen benutzt, und Ausruhen tat man nur im Sitzen, denn man liegt ja noch lange genug, wenn man tot ist. 

 In den sechziger Jahren verfiel das Anwesen, später pachtete ein Pferdebesitzer das umliegendeLand für zwei Pferde. Die brachen eines Winters durch das Wohnzimmerfenster ein und fühlten sich monatelang in dem kostbaren Raum auf teurem Parkett sehr wohl. Die Fussböden haben es überstanden, nur an einigen Stellen brachen die Pferde ein. Irgendwann fand jemand, man dürfe dieses Kleinod von Haus nicht so behandeln, es wurden Pläne zur Restaurierung gemacht, und eine reiche Mäzenin aus Kanada hörte davon und stellte das Geld für die Wiederinstandsetzung zur Verfügung. Ohne Einschränkung. Seit 1989 kann man sich an diesem Schatzkästchen von Haus wieder erfreuen, seitdem ist es zu besichtigen.

 Ich habe noch etwas Zeit, bis ich mich auf den Weg zur Fähre machen muss, es ist Montagmorgen, die Geschäfte sind offen, so mache ich in warmer Sonne einen Bummel durchs Städtchen. Rund um den Markt herum gibt’s Pubs, kleine Lokale, etwas weiter zurück vom Markt liegt das italienische Restaurant GALILEO, benannt nach dem berühmten Rennpferd und jetzt Deckhengst, der im benachbarten Städtchen Fethard auf dem Coolmore Gestüt steht.

Nebenan wurde das alte Gebäude eines Kornlagers in ein Craftzentrum verwandelt, wo Künstler, Maler, Töpfer, Weber, ihre Kunstwerke ausstellen und verkaufen können. Hier schaue ich mich noch ein Weilchen um. www.craftgranary.com 

Cahir hat noch zwei weitere Craftshops, eines liegt gegenüber der Burg, das andere oben am Markt, dort befindet sich die Töpferei direkt hinter dem Laden.

Dann muss ich mich losreissen, Richtung Clonmel, vorbei an der Bulmers Cider Fabrik, durch Kilsheelan, einem ganz ordentlichen, sauberen Dorf mit herrlich gepflegten Blumenbeeten an der Strasse. Diese verläuft parallel zum Fluss Suir, im Norden, links der Strasse die Slievemanon Berge, im Süden, zu meiner Rechten, habe ich die Bergkette der Comeragh Mountains.

Zwischen Kilsheelan und Carrick-on-Suir mache ich noch eine Pause, um mich im Dove Mill Design Centre umzusehen

Und kurz vor Rosslare halte ich an einem Obsthüttchen, ich will ja irische Erbeeren mitnehmen. Als ich das erzähle, werde ich sofort in ein Schwätzchen verwickelt und meine Erdbeerkörbchen werden von unten, von unter dem Tischtuch, hervorgeholt. Sie seien besonders frisch, erst vor zwanzig Minuten gebracht und würden morgen gerade richtig sein, versichert mir mein neuer Freund.

 Leider habe ich jetzt keine Ausrede mehr, noch irgendwo zu halten. In Rosslare mache ich einen letzten Spaziergang durch die Dünen und am Strand entlang.

Bluehende Montbretien in den Duenen von Rosslare

Blühende Montbretien in den Dünen von Rosslare 

Später, auf der Fähre stehe ich noch ein Weilchen an Deck, lasse die Vielfalt von Eindrücken in meiner Erinnerung Revue passieren und sehe meine geliebte Insel in der Ferne verschwinden, Abschiedsgekreisch von Möven um mich herum.

Eine Woche, die anders als geplant verlaufen ist, und doch unvergesslich wurde, auch das ist Irland.

Rosslare Hafen, Blick von der Faehre

      Abschied von Rosslare 1

Fotos meine eigenen ausser den Ansichtskarte und Blennerville Windmill.

Photographs my own except the postcards and Blennerville Windmill.

Blennerville Windmill Picture found on Wikipedia.

(Still working on it and learning not to unvoluntarily delete things and then not find them anymore.)

Advertisements
Standard